Postulat: easyvote – Politische Partizipation junger Erwachsener fördern
Die Schweiz gilt international als Musterbeispiel für Demokratie – direkt, stabil, bürgernah. Doch der Schein trügt. Denn zwischen dem Ideal auf dem Papier und der gelebten Realität klafft eine Lücke: Weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten nutzt ihr Wahl- und Abstimmungsrecht.» (SRF online). Im Kanton Schwyz sieht die Stimmbeteiligung der letzten fünf Abstimmungstermine mit wenigen Ausnahmen ähnlich aus:
März 2026: 60.7%, November 2025: 51.5%, September 2025: 57%, Februar 2025: 42%, November 2024: 46%
GR-Wahlen 2026 (Auswahl): Schwyz 26.3%, Altendorf 26.4%, Schübelbach 24.4%
Stimmbeteiligung junger Erwachsener
Noch tiefer liegt die Stimmbeteiligung junger Erwachsener zwischen 18 und 35 Jahren. In den Nachwahlerhebungen der nationalen Wahlen1 von 2023 wies die Zielgruppe von 18-24 Jahren mit 29% gar den tiefsten Wert seit 1999 (28%) aus. Es erstaunt weniger, dass die Beteiligung bei den regelmässig stattfindenden Abstimmungen auf einem ähnlich tiefen oder gar tieferen Niveau liegt. Der Jugend- und Politikmonitor 2023 des Dachverbandes der Schweizer Jugendparlamente (DSJ) wollte wissen, weshalb junge Menschen sich scheinbar weniger für Politik interessieren. Zu den meistgenannten Gründen zählten «ich weiss zu wenig» (ca. 80%) und «ist mir zu kompliziert» (60%). Hinsichtlich der jüngeren Zielgruppe kann also je nach Auslegung eine Überforderung oder eine Informationslücke festgestellt werden.
Überforderung
Die Überforderung («ist mir zu kompliziert») lässt sich auch an der Stimmbeteiligung nach Bildungsniveau ablesen. Bürgerinnen und Bürger, welche die obligatorische Schule oder ein Berufs-Attest abgeschlossen haben, nahmen in den letzten 30 Jahren weniger an Wahlen teil (2023: 31%), als solche mit einem Berufsabschluss (2023: 41%) oder einem Tertiärabschluss (2023: 56%).
Informationslücke
Zur Aussage «ist mir zu kompliziert» passt, dass junge Erwachsene sich vergleichsweise häufig über Soziale Medien (32% via Instagram, 22% via TikTok) und weniger über klassische Medien oder gar die offiziellen Unterlagen des Bundes (16%) informieren. Digitale Kanäle holen die Zielgruppe dort ab, wo sie sich bereits aufhalten und berichten in einer Sprache, die für sie verständlicher ist. Dies birgt jedoch auch Risiken, da die Kanäle auf den verschiedenen Plattformen wie Instagram (USA) oder TikTok (China) anfällig sind für Manipulation und Fake News.
easyvote-clips
Die Ausgangslage der Stimmbeteiligung junger Erwachsener weist einen deutlichen Handlungsbedarf hinsichtlich der Information und Kommunikation aus. Der DSJ hat mit easyvote ein Angebot, welches sich zum Ziel gesetzt hat, die politische Partizipation und das politische Interesse junger Erwachsener zu fördern. Ein Teil dieses Angebots sind die easyvote-Clips, welche Abstimmungsvorlagen auf einfache, ansprechende und neutrale Art vermitteln. Dabei wird Neutralität von easyvote folgendermassen definiert: «easyvote ist ein politisch neutrales Angebot. Das bedeutet, dass easyvote in politischen Fragen keine Position einnimmt. Im Rahmen der Informationsaufgabe ist es für easyvote wichtig, alle Seiten ausgeglichen abzubilden. easyvote unterteilt die eigene Neutralität in fünf verschiedenen Pfeiler: die Neutralität der Kommunikation, die Neutralität der Zielgruppen, die inhaltliche Neutralität, die prozessbezogene Neutralität und die finanzielle Neutralität.»
Unterschiedliche Gemeinden und Kantone haben die Vorteile von easyvote erkannt und sich zum Ziel gesetzt, die Beteiligung junger Erwachsener an politischen Entscheiden zu erhöhen, darunter die Kantone Solothurn, Zürich oder Luzern. Der Kanton Schwyz hat mit dem Kinderparlament einen ersten Schritt unternommen, Kinder für politische Prozesse zu sensibilisieren. Ein Anschlussprojekt für Jugendliche und auch für junge Erwachsene fehlt. Mit den Abstimmungsclips könnte hier Abhilfe geschaffen werden – und zwar dort, wo sich junge Erwachsene oft informieren: in den sozialen Medien.
Die jährlichen Investitionen würden sich je nach Anzahl kantonaler Abstimmungsvorlagen auf ca. CHF 30’000.– (bei vier Vorlagen pro Jahr) belaufen. Ein Beitrag, der sich der Kanton Schwyz hinsichtlich der bisher tiefen Stimmbeteiligung der Zielgruppe leisten sollte.
Mit diesem Postulat fordern wir den Regierungsrat auf, das digitale Angebot von easyvote oder gleichwertige digitale Angebote für die Zielgruppe junger Erwachsener des Kantons Schwyz zu prüfen und eine entsprechende Pilotphase von fünf Jahren mit anschliessender Auswertung der Wirksamkeit zu lancieren.
Wir danken dem Regierungsrat für das wohlwollende Aufgreifen unseres Anliegens.
Die Postulantinnen und Postulanten:
Andreas Imbaugarten, GRÜNE
Peter Bürgler, Mitte
Ruth von Euw, GLP
Cornel Betschart, Mitte
Martin Raña, SP
Buiare Ibrahimi, SP